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Streckeninfo zu Bormio von Kristian Ghedina

Kristian Ghedina am 23.12.2005 - 13:01 Uhr
Auf der Stelvio bin ich zwar schon auf das Podium gefahren, auch wenn diese Piste nicht zu meinen bevorzugten gehört, weil sie sehr technisch angelegt ist und folglich nicht meinem Profil als ausgewiesener Gleiter entspricht.

Sprünge bis zu 50 Metern weit
Sie beginnt mit einigen sehr schwierigen Kurven und einem langen Sprung, mündet in einen kleinen Kanal mit einer Doppelwelle, die gut abgefedert werden muss und bei der man auch ein Stück weit springt. Es folgt ein Teilstück mit Kurven wie im Super-G, die mit hoher Geschwindigkeit gefahren werden, dann eine große Rechtskurve, die immer stark vereist ist und in eine Diagonale mündet – ein tückischer Abschnitt, in dem die Skier immer heftig schlagen. Dann gelangt man über einen unschwierigen Abschnitt in den Steilhang 'San Pietro', ein spektakulärer Übergang (man springt bis zu 50 Meter weit), der in ein Gleitstück führt, in dem die Geschwindigkeit gemessen wird. Die ist hier aber nicht am höchsten, sie liegt bei etwa 125 km/h. Dann kommt der letzte Teil mit einer Serie von schnellen Kurven auf sehr welligem Untergrund.

Probleme mit der Sicht
Der schwierigste Aspekt dieser Piste ist die Tatsache, dass sie sich immer im Schatten befindet und zugleich aber die Geschwindigkeit sehr hoch ist, weshalb sie schwer zu interpretieren ist. Gegen Ende der Strecke sind die Rennläufer auch am Ende ihrer Kräfte, Reaktionen können nicht mehr so schnell ausgeführt werden und es gibt Probleme mit der Sicht. Ich selbst hatte die meisten Schwierigkeiten hier immer im Schlussteil, der für mich mit einem gewissen Leidensdruck verbunden ist.

Kraftraubende Abfahrt
Eine harte Abfahrt, die vom Anfang bis zum Ende keine Verschnaufpausen zulässt. Das erfordert viel Kraft, denn man ist einem ständigen Druck ausgesetzt. Das macht die physisch starken Österreicher zu den Favoriten auf dieser Strecke. Ich persönlich tippe aber auch auf Bode Miller und Daron Rahlves, der leichtgewichtig ist. Bei den Italienern bin ich vermutlich der einzige, der es jemals aufs Stockerl geschafft hat, aber ich hoffe heuer auf bessere Resultate der italienischen Mannschaft. Die Besonderheit dieser Strecke liegt darin, dass man im letzten Abschnitt einen Sieg herausfahren kann – vorausgesetzt, man ist mental und physisch noch hundertprozentig präsent, um die finalen Passagen gut zu bewältigen.

Nummer 11 bringt kein Glück
1995 bin ich als Führender der Spezialwertung nach Bormio gekommen. Es wäre die Gelegenheit gewesen, um die kleine Kristallkugel zu gewinnen. Um nicht zu viel Nervosität aufkommen zu lassen, wählte ich die Startnummer 1. Doch am Renntag wurde der Start wegen eines Problems auf der Piste um eine halbe Stunde verschoben. Als ich dann starten durfte, herrschten gerade widrige Wetterbedingungen, während mein Konkurrent Luc Alphand mit der Nummer 11 von einer Aufhellung begünstigt wurde. Er gewann das Rennen mit 11 Hundertstel und die Weltcup-Spezialwertung mit 11 Punkten Vorsprung auf mich.

Fazit: Die Nummer 11 ist in Kombination mit Bormio nicht mein Glücksbringer!
Weiterführende Informationen:
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