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Lawinen-Spezial Teil VIII: Überlebenschancen bei Verschüttung

2b-Sportredaktion am 09.02.2004 - 23:26 Uhr

Trotz modernster Technik, die auch im Zusammenhang mit Lawinenunglücken und der Rettung Verschütteter zum Einsatz kommt, sowie geschulter und trainierter Bergwachten bedeutet die "Rettung" von Lawinenopfern in den allermeisten Fällen die Bergung von Toten - man geht davon aus, dass schon nach 30 Minuten Verschüttungszeit die Hälfte der Betroffenen tot ist, nach 45 Minuten sind es drei Viertel, lautet eine Faustregel.

Lebensbedrohende Gefahren (nach Durner und Römer: 42f)
Lawinenopfer drohen im Falle einer Komplettverschüttung mit zunehmender Bergungszeit zu ersticken, weil entweder ihre Atemwege mit Schnee verstopft sind, eine Eismaske vor dem Gesicht entstehen kann, die verbleibende Luft durch das Ausatmen zunehmend mit Kohlendioxid gesättigt ist - also schnell Sauerstoffmangel herrscht, wenn kein Luftaustausch stattfindet - oder weil der Schneedruck auf den Körper das Atmen generell unmöglich macht.
43% der Lawinenopfer sterben aufgrund der traumatischen Verletzungen, die sie sich während des Lawinenabgangs zuziehen - am häufigsten ist die Halswirbelsäule betroffen.
Desweiteren besteht bereits bei einer Verschüttungsdauer von 35 Minuten die Gefahr einer lebensbedrohlichen Unterkühlung. Die geschilderten drei Zusammenhänge stellen die Hauptursachen tödlich verlaufender Verschüttungen dar.

Sofortige Hilfe gibt Anlass zu berechtigter Hoffnung
Die Grafik, die als zweites Bild links des Textes steht, verdeutlicht anhand des Zeitfaktors in Bezug zur Überlebenswahrscheinlichkeit, wie wichtig eine sofortige Kameradenhilfe im Falle einer Verschüttung ist.
Um überhaupt zu einer umgehenden Rettung oder Bergung Verschütteter in der Lage zu sein, ist die im zweiten Teil des Lawinen-Spezials empfohlene Ausrüstung unentbehrlich. Im Ernstfall sind Minuten der Grat zwischen Trauer und Erleichterung - und diese Zeitspanne, das sei ein weiteres Mal betont, hängt in erster Linie vom souveränen, also geübten Umgang mit dieser Ausrüstung ab.

Nur kurze Zeit
So materiell hochwertig ausgestattet, regelmäßig geschult und entsprechend professionell und wirkungsvoll alpine Rettungsdienste heutzutage auch agieren: Der Weg zu den Opfern ist bei Lawinenunfällen wegen des zeitlich ach so kurzen "Rettungsraumes" immer wieder zu lang. Eine Problematik, die, unabhängig von den zur Verfügung stehenden Ressourcen, auch nicht flächendeckend in den Griff zu bekommen ist; bis ein Hubschrauber in der Luft ist oder Suchhunde vor Ort eintreffen, vergehen einige Minuten, selbst wenn die Alarmierung unmittelbar erfolgt ist.
Daraus kann nur die Mahnung resultieren, "das Schwergewicht in der praktischen Lawinenausbildung auf die Vorbeugung (Prophylaxe) zu legen [...] (Munter, 3. Aufl., 2003: 28). Vorsorglich handeln kann man in diesem Zusammenhang durch ein sicheres alpines Grundwissen, Kenntnis der Methoden zur Beurteilung einer Lawinengefahr, eine vorausschauende Tourenplanung, die Wahl angemessener Taktik und Strategie vor Ort im Gelände und das Vermeiden typischer Fehler.

Bessere Chancen
Insgesamt liegt die Rettungsquote von Lawinenverschütteten erschütternd niedrig: Werner Munter bietet eine Aufstellung von Skifahrer-Lawinenunfällen in der Schweiz zwischen 1961 und 2002, bei denen von 111 Betroffenen 83 starben (Munter, 3. Aufl., 2003: 28).
So wenig Hoffnung statistisch gesehen besteht: Mit LVS, Lawinenschaufel und Sonde hat man noch die besten Aussichten auf eine Rettung: "Riskiere nie eine Lawinenverschüttung. Die Überlebenschancen sind trotz Anwendung modernster Technik gering: 1:3 mit LVS und Lawinenschaufel, 1:10 mit Helikopter und Hund beziehungsweise Recco (Munter, 3. Aufl., 2003: 30).
Der Normalfall ist: "Bei der Kameraden-Rettung geht es um Minuten", der Glücksfall bedeutet, dass "ein Hohlraum vor dem Gesicht vorhanden ist, die Atemwege frei sind und keine schweren Verletzungen vorliegen, [sodass
] ein Verschütteter auch nach vielen Stunden lebend gerettet werden [kann
]. Von diesem Glücksfall ist bei der organisierten Rettung grundsätzlich immer auszugehen" (Munter, 3. Aufl., 2003: 30).

Bildergalerie
Zur Bildergalerie "Lawinen - abseits der Pisten".

Quellen und Literatur
- www.vdbs.de
- Günter Durner und Alexander Römer, Lawinen Know-How, 1. Aufl. 2003, ISBN 3-9807101-5-7
- Günter Durner und Alexander Römer, Erste Hife Bergrettung, 1. Auflage 2002, ISBN 3-9807101-2-2
- Werner Munter, 3x3 Lawinen - Entscheiden in kritischen Situationen, 2. Aufl. 1999, ISBN 3-00-002060-8
- Martin Engler, Die weiße Gefahr: Schnee und Lawinen..., 1. Aufl. 2001, ISBN 3-9807591-1-3


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