
Annemarie Gerg

Heinz Schilchegger

Markus Eberle
Kostelic, Schilchegger und Matt setzen Maßstäbe
Armin Bittner am 20.11.2000 - 14:21 Uhr
Die ersten Slalom–Wettbewerbe der neuen alpinen Skisaison haben nur ansatzweise den Fortschritt erbracht, den man sich eigentlich erwarten konnte. Noch immer ist es aber vielen scheinbar noch nicht gelungen, sich endgültig mit den mittlerweile gar nicht mehr so neuen “Kurzski“ anzufreunden.
Erfreulich in jedem Fall die Leistung von Martina Ertl, die enorme Sicherheit und Selbstvertrauen ausstrahlt und dies gepaart mit ihrer vorbildlichen Einsatzbereitschaft auch im Slalom erfolgreich umsetzt. Man hatte nie das Gefühl, dass sie ausscheiden könnte. Weiter so!
Auch Annemarie Gerg und Marina Huber haben zumindest aus taktischer Sicht einen geglückten Auftakt zu verzeichnen, der zwar in einigen Passagen von deutlichem Respekt und Unsicherheit begleitet wurde, am Ende jedoch den unbedingten Willen zeigte, zum Saisonbeginn auf jeden Fall das Ziel zu erreichen. Darauf kann man aufbauen!
Nachdenklich jedoch sollte es alle stimmen, in welcher Art und Weise die Kroatin Janica Kostelic die gesamte Konkurrenz deklassierte und somit ihren dritten Sieg in einem Weltcup-Slalom feierte. Und das nach einer Verletzung, wie sie nur die allerwenigsten in den vergangenen Jahren zu überwinden hatten.
Erinnern wir uns vielleicht zurück an den Beginn der vergangenen Saison:
Bereits in damals setzte Kostelic in Serre Chevalier und Sestriere neue Maßstäbe im Damen-Slalom, als sie mit 1,78 bzw. 1,12 Sekunden haushoch überlegen war und dies mit einer Leichtigkeit demonstrierte, dass man eigentlich erwarten konnte, die Anderen würden sich vermehrt an diesen Paradebeispielen moderner Slalomtechnik orientieren und sich entsprechend einiges abschauen. Doch scheint die kurz nach diesen Erfolgen aufgetretene Verletzung der Kroatin in
St. Moritz und ihre anschließende Abwesenheit das Bewusstsein der Konkurrenz für diese neuen Maßstäbe etwas eingeschläfert zu haben. Trotzdem ist das gesamte Niveau im Damen-Slalom als erfreulich hoch zu bezeichnen, da sich auch viele Läuferinnen mit hohen Startnummern erfreulich stark in Szene gesetzt haben.
Bei den Herren konnte man speziell im zweiten Durchgang auch ein durchaus interessantes Rennen verfolgen. Der Grund hierfür war aber wohl in den äußerst bescheidenen Pistenbedingungen zu suchen, die in beiden Läufen grundsätzlich die ersten Startnummern im Vorteil sahen und ein Vorsprung somit nicht allzu viel wert war.
Der Aufsteiger der vergangenen Saison, Mario Matt aus Österreich fuhr seinen Mitbewerbern im ersten Lauf mit über einer Sekunde Vorsprung auf und davon. In der Folge zeigte sich bedauerlicherweise, dass ein Großteil der Herren sich wohl nach wie vor nicht mit der neuen Technik und vor allem dem dazugehörigen Material anfreunden konnte. Massenhaft Fehler und riesige Zeitabstände, es kann nicht alles nur an der Piste gelegen haben, oder an der Tatsache, dass es doch für einige das erste Saisonrennen war.
Einer der ganz Wenigen, die sich im ersten Lauf mit höhere Nummer profilieren konnte, war Heinz Schilchegger (AUT) und was er dann im zweiten Durchgang wieder bei mäßigen Pistenbedingungen zelebrierte, war wohl mit das Feinste, was wir in den vergangenen Jahren miterleben durften, für Schilchegger selbst möglicherweise der Lauf seines Lebens, der ihm den ersten Weltcup-Sieg einbrachte.
Maximales Risiko verbunden mit einem sensationellen Zug auf dem Ski und dies vor allem auch in der ein oder anderen etwas kritischeren Situation, ein wahrer Augenschmaus, der alles andere, was noch in diesem zweiten Lauf geschah eigentlich völlig zur Bedeutungslosigkeit verurteilte.
Auch das durchaus respektable Abschneiden von Markus Eberle mit Platz 17 nach längerer Verletzungspause kann über den ersten Slalom-Eindruck nicht hinwegtäuschen, dass es ein diesem Winter möglicherweise einige wenige Herren geben könnte, die für eine Zweiklassengesellschaft in dieser Disziplin sorgen.
Die beiden Österreicher Schilchegger und Matt haben hier ihre Visitenkarte eindrucksvoll abgegeben !
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