Der Mann der Stunde im alpinen Ski-Weltcup ist Bode Miller aus den USA. Vor dem letzten Drittel der Saison sicherte sich der exzentrische Einzelkämpfer die erste Kristallkugel dieses Winters. Der 30 Jahre alte Alleskönner erhält die gläserne Trophäe für den Gesamtsieg im Kombinations-Weltcup, der zum zweiten Mal als eigenständige Disziplin gewertet wurde. "Das ist großartig", sagte der erste große Sieger der alpinen Saison.
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Kombi-Triple für Miller
Miller sicherte sich die Kristallkugel standesgemäß: Bei der Super-Kombination im französischen Val d'Isere, wo im Februar 2009 die nächsten alpinen Weltmeisterschaften ausgetragen werden, fuhr er in beeindruckender Manier zu seinem fünften Saisonsieg, dem dritten im fünften und letzten Kombinations-Wettbewerb. In 2:18,45 Minuten gewann das Ski-Genie vor den Kroaten Ivica Kostelic (2:18, 83) und Natko Zrncic-Dim (2:19,44).
Der Gesamt-Weltcup ist auch noch drin
Auch im Kampf um die begehrte große Kristallkugel ist Miller nun obenauf. Weil sein Verfolger Benjamin Raich (Österreich) nur den sechsten Rang belegte, konnte der Amerikaner, der in diesem Winter als eigenständiges "Team America" zu den Weltcup-Orten reist, seine Führung im Gesamtweltcup nach 28 von 40 Wettbewerben ausbauen: Sein Vorsprung beträgt nun 122 Punkte. Die große Kristallkugel hat Miller bislang einmal gewonnen (2005).
Grundstein in der Abfahrt
Bereits in der Abfahrt hatte Miller die Konkurrenz mit 1,37 Sekunden Vorsprung deklassiert. Auf der "Face de Bellevarde", der technisch anspruchsvollen Olympia-Strecke von 1992, die in einem Jahr auch Schauplatz der WM sein wird, fand er eine perfekte Linie. Im Slalom ließ er es dann ruhig angehen und fuhr im Gegensatz zu früheren Gewohnheiten taktisch clever zum Sieg: "Das hat sich komisch angefühlt, wie Urlaub", sagte er scherzhaft.
Keppler mit großem Kämpferherz
Stephan Keppler war nach einem schweren Patzer als 22. der Abfahrt ebenfalls noch respektabel platziert, verpasste dann aber ein Resultat von beinahe schon historischem Ausmaß. Im Slalom war der Wahl-Münchner bis kurz vor dem Ziel gut unterwegs, dann stürzte er: Der 24-Jährige stieg wieder den Hang hinauf und brachte seinen Lauf zu Ende, musste aber schließlich wegen zu großen Rückstandes auf Sieger Miller disqualifiziert werden.
"Das ist schon ärgerlich", sagte Keppler: "Das hätte sogar für eine Platzierung unter den ersten Zehn reichen können." Selbst eine Platzierung unter den ersten 30 wäre ein Erfolg gewesen: Seit dem 30. Januar 1994, als Markus Wasmeier kurz vor seinem Doppelsieg bei Olympia in Chamonix Rang elf belegte, hat keine deutscher Läufer mehr Weltcup-Punkte in einer Kombination geholt.
Überraschungspaket aus Kroatien
Für die größte Überraschung des Tages aber sorgte Natko Zrncic-Dim, der sich mit furiosem Laufstil im Slalom mehr zutraute als manch ein etablierter Slalom-Experte. Damit ließ der Youngster auch die Stars Rainer Schönfelder, Benjamin Raich und Daniel Albrecht zurück, die allesamt das letzte Risiko vermissen ließen. Noch weniger Glück hatte Jean-Baptiste Grange. Der Franzose, vor dem Wettbewerb letzter Konkurrent von Miller im Kampf um den Disziplinen-Weltcup, wollte zuviel und verlor dabei alles. Nach seinem Ausfall stand Miller bereits vor dem abschließenden Lauf als Sieger fest.