Siegerehrung Kurze Strecke: 2. Tom Wallner, 1. Martin Echtler, 3. Wolfgang Klocker
Tom Wallner
ASTC 2007
Simone Hornegger
Siegi Hochenwarter in Aktion
Guido Giacomelli
Echtler, Wieland
Martin Echtler
Roberta Pedranzini und Francesca Martinelli (ITA)
Markus Stock
Martin Hornegger
Alexander Fasser (AUT)
Mountain Attack
Mountain Attack
Simone Hornegger
ASTC: Rennbericht von der 9. Mountain Attack in Saalbach
Mountains2b Redaktion am 15.01.2007 - 13:00 Uhr
Am vergangenen Freitag, dem 12. Januar, war es wieder so weit: das zweifellos größte Spektakel Österreichs im Tourenski-Sektor ging in Saalbach über die Bühne - die 9. Mountain Attack. Natürlich war auch das ASTC Powerteam vertreten. Zwar nicht in Vollbesetzung - Andi Kienast laboriert seit vielen Wochen an einer Entzündung - aber doch sehr gut vorbereitet.
Unverwechselbare Atmosphäre in Saalbach
Die Zeit vor dem Start in Saalbach glich wie üblich einem bunten Treiben. Die Location mitten im netten Ort, zusammen mit hunderten Skifahrern als Zaungästen, ergibt alle Jahre wieder ein Bild, wie es eben nur Saalbach vermitteln kann.
Pünktlich vor dem Rennen stellte sich auch das Wetterglück ein, wie es seit nun mehr neun Jahren gepachtet scheint: Obwohl in der Nacht vorher noch schwere Regenstürme über's Land zogen, war es am Nachmittag fast sonnig, und nur noch leichter Wind war auf den Bergen zu spüren.
Der Schneemangel, der allerorts große Probleme bereitet, wurde durch die Saalbacher Sailbahner hervorragend kaschiert. Die Pisten auf der Schattenseite des Tales sind sogar in ausgesprochen gutem Zustand - das spricht für die Saalbacher!
Viele Top-Athleten am Start
Die ASTC-Athleten waren vor dem Start im Bezug auf die Bedingungen recht ruhig. Kapitän Martin Hornegger: "Auf dem Schattberg ist es recht griffig, da war's oft schon schlechter. Und die Eisbahn über die Zwölferkogel-Nordabfahrt kommt uns entgegen, schwierige Bedingungen liegen allen im Team recht gut."
Konkurrenz war aber dennoch ausreichend vorhanden, der Auftrieb der Top-Athleten war wieder beachtlich: Fast die komplette Österreichische Spitze war am Start. Und es waren mit den Italienern Francesca Martinelli, Guido Giacomelli und Hansjörg Lunger auch drei Top-Athleten aus dem Weltcup vor Ort. Schließlich stürmten mit dem Startschuss um 16:00 Uhr wieder rund 400 Sportler in imposanter Manier den Schattberg.
Giacomelli setzt sich direkt in Front
Schon nach wenigen 100 Höhenmetern kristallisierten sich zwei Dinge heraus. Erstens: die Weltcupläufer aus Italien waren so stark wie erwartet - das Niveau ist international sehr hoch. Zweitens: eine Handvoll Österreicher konnte sich ebenfalls absetzen, allerdings mit unerwartet großer Streuung.
So konnte am Aufstieg zum Schattberg Guido Giacomelli (ITA) mit seiner unvergleichlich ruhigen Technik zwar nicht gefährdet werden, aber in seinem Windschatten konnten sich neben seinem Teamkollegen Hansjörg Lunger auch diverse andere Sportler innerhalb von circa acht Minuten Rückstand festkrallen. Die Reihenfolge nach den ersten 1.000 Höhenmetern sah wie folgt aus:
01. Guido Giacomelli
02. Hans Wieland (Atomic-Suunto-Team)
03. Hansjörg Lunger
04. Martin Echtler (DAV)
05. Stefan Kogler (Hagan-Martini Rennteam)
06. Heinz Verbnjak (Northland Atomic Suunto)
07. Hans Lainer (Hagan-Martini-Rennteam)
08. Tom Wallner (ASTC Powerteam)
09. Andi Ringhofer (Atomic-Suunto-Kolland)
10. Georg Simair (Hagan-Martini-Rennteam)
11. Lex Konrad (DAV)
12. Martin Hornegger (ASTC Powerteam)
Die Abfahrt nach Hinterglemm war der letzte gemeinsame Akt des gesamten Feldes, denn danach trennten sich kurze und lange Strecke.
Wallner wittert seine Chance
Auf der kurzen Strecke, die Martin Echtler aus Deutschland auf dem Schattberg anführte, sah der diesjährge "Shooting- Star" des ASTC Powerteams, Tom Wallner, auf der Abfahrt seine Chance kommen. Beim Wechsel in Hinterglemm hatte er den Rückstand gut gemacht und war mit Echtler praktisch gleichauf. "Essen und Trinken hält Leib und Seele beisammen" - ein kluger Sinnspruch, den Wallner leider missachtete. Er verzichtete auf Nahrung und verlor prompt auf seinem letzten Aufstieg massiv an Boden auf Echtler.
Nach einem kurzen Ausflug in die wilden Weiten der freien Glemmtaler Natur - Tom verlor komplett die Spur und wandelte auf Aperflecken bergwärts - wurde es für ihn fast noch knapp: Wolfgang Klocker vom Hagan-Martini Rennteam und der Südtiroler Manfred Wurzer kamen bereits in Schlagweite.
Echtler landet ungefährdeten Sieg, Wallner wird Zweiter
Dann der letzte Wechsel, runter Richtung Ziel: Von Echtler war nichts mehr zu sehen, dieser fuhr einen ungefährdeten Sieg auf der kurzen Distanz ein. Wallner riskierte auf der Abfahrt alles, um nur ja nicht die beiden Verfolger in die Nähe kommen zu lassen. Und so reichte es dann - zwar mit einem Respekt einflößenden Abstand von fast vier Minuten auf Echtler - zu einem ehrenvollen zweiten Platz mit sattem Vorsprung auf Wolfgang Klocker auf dem drittem und Manfred Wurzer auf dem vierten Platz.
Die beiden anderen Athleten des ASTC Powerteams, die auf der kurzen Distanz unterwegs waren, schlugen sich ebenfalls hervorragend: Alex Fasser beendete das Rennen auf dem sechsten Platz, während Nachwuchsmann Wolfgang Krenn den 18. Platz in starker Konkurrenz belegte.
Marathon-Distanz: Eindeutige Verhältnisse
Auf der langen Distanz waren zwischenzeitlich recht geordnete Verhältnisse eingekehrt. Hansjörg Lunger hatte Hans Wieland zum Zwölferkogel hinauf hinter sich gelassen - die starke Spitzengruppe war zwar nach wie vor komplett, aber schon extrem weit aufgegliedert, und viele Entscheidungen bereits vorweggenommen.
Beispiel: Martin Hornegger, der Kapitän des ASTC Powerteams, hatte zwar mehrere Rennläufer überholt, lag aber am Zwölferkogel als Siebter schon sechs Minuten zurück. Bei Markus Stock (ebenfalls ASTC Powerteam) waren es auf Rang elf bereits neun Minuten.
Lichtblick für Karl Posch (ASTC) am Zwölferkogel: Urgestein Siegi Hochenwarter kam als eindeutig Führender der Klasse 45+ an, ebenso lag Simone Hornegger, "unser fescher femininer Aufputz im Team" (O-Ton Posch), mit nur 40 Sekunden Rückstand auf Francesca Martinelli in absolut aussichtsreicher Position.
Die vielleicht interessanteste Sichtung am Zwölfer: die Geh- und Wechseltechnik von Guido Giacomelli. Der 25-jährige Ausnahmeathlet aus Livigno im italienischen Trentino ist zwar vor allem bei alpinen Rennen gut unterwegs (er hat unter anderem im März 2006 das Dachstein Xtreme bei größter internationaler Konkurrenz gewonnen), kann sein Talent aber durchaus auch bei Pistenrennen ausspielen. Die Präzision und Athletik, mit der Giacomelli agiert, sucht Ihresgleichen.
Andi Ringhofer mit fulminanter Schluss-Offensive
Auf dem Weg hinunter über die Zwölferkogel-Nordabfahrt und den letzten Anstieg hinauf änderte sich an der Reihung nicht mehr all zu viel. Nur einer spielte spät (zu spät?) doch noch seine Klasse aus: der Schladminger Andi Ringhofer holte nach einer völlig verpatzten ersten Rennhälfte zum Gegenschlag aus. Er hatte sich intensiv auf das Saalbacher Rennen vorbereitet und war dementsprechend geschockt, nach einem schwachen Beginn nur noch knapp unter den Top Ten zu sein.
Am Zwölferkogel sah sich Ringhofer immerhin schon auf dem fünften Platz, und in einer fulminanten Anstrengung hatte er zuletzt im Ziel in Saalbach alle Österreicher nieder gekämpft. Auch der vorerst überragende Hans Wieland (Atomic-Suunto-Team) musste der Streckenlänge Tribut zollen und Ringhofer schließlich ziehen lassen.
Italienischer Doppelsieg
Einzig die beiden Italiener konnten von Ringhofer nicht mehr gefährdet werden: Guido Giacomelli steigerte sein Tempo zuletzt noch, deklassierte schließlich sogar Hansjörg Lunger mit vier Minuten Vorsprung. Lunger seinerseits konnte Ringhofer mit satten zwei Minuten Vorsprung auf den dritten Platz verweisen. Ein Ergebnis der großen Abständ: 20 Minuten innerhalb der Top Ten!
Hochenwarter gewinnt die +45-Klasse
Siegi Hochenwarter war derweil auf sicherem Weg zum Erfolg. Kontinuierlich war er wie eine Dampflok unterwegs, und konnte so als einziger österreichischer Sieger auf der langen Strecke sogar mit Andrea Martinelli einen Vertreter der Italienischen Mannschaft in Schach halten. Als Dritter in der Klasse 45+ beendete Toni Essl (Bergrettung Abtenau) das Rennen.
Duell Hornegger-Martinelli geht an die Italienerin
Bei den Damen war die Verfolgung zwar dramatisch, ging aber leider eindeutig aus. ASTC-Athletin Simone Hornegger rückte Francesca Martinelli immer wieder auf den Pelz, vor allem bei den Abfahrten. Martinelli baute aber in den Aufstiegen ihren Vorsprung immer wieder aus, vor der letzten Abfahrt betrug dieser satte 2:30 Minuten. Hornegger setzte in der Abfahrt dann zwar alles auf eine Karte, konnte Martinelli aber nicht mehr die Stirn bieten. Sie belegte schließlich mit nur 34 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Dritte wurde Renate Schwab (Sport Lichtenegger) mit ganzen 23 Minuten Rückstand.
ASTC Powerteam mit vier Top-Ten-Platzierungen auf der langen Strecke
Die ASTC-Athleten konnten schließlich auf der langen Strecke mit Siegi Hochenwarter in der Klasse 45+ einen ersten Platz einfahren und Simone Hornegger brachte eine Silbermedaille nach Hause. Außerdem wurden mit Martin Hornegger auf Platz sieben und Markus Stock auf Platz zehn zwei weitere Top-Ten-Platzierungen eingefahren.
Bilanz: Dramatik pur - viele Stürze
Der Rennverlauf war damit durchaus sehr dramatisch und interessant, und der Zieleinlauf in Saalbach wieder gewohnt spektakulär. Durch die schwierigen Pistenverhältnisse gab es aber überdurchschnittlich viele Stürze.
Am schlimmsten erwischte es Bernhard Haller aus Tirol. Er hatte nach technischen Problemen bereits aufgegeben und fuhr unkonzentriert die letzte Abfahrt ab. Dabei übersah er einen Zaun, rammte ihn und stürzte schwer. Glücklicherweise waren Zuschauer anwesend, die die lange Wartezeit auf die Rettung überbrücken konnten. Nach der Operation im Krankenhaus Tell am See stand fest: Haller erlitt einen komplizierten Unterschenkelbruch und darf mindestens eine Woche lang im Krankenhaus verweilen.
Fazit
Aus Sicht des ASTC-Teams war die Mountain Attack ein sehr erfolgreicher Einsatz. Mit drei Stockerlplätzen und drei weiteren Top-Ten Platzierungen konnte die Mannschaft sicher das erfolgreichste Gesamtergebnis des Abends vorzeigen.
Das Event abseits der Rennstrecke war wie gewohnt ein unvergleichliches Spektakel, medial hervorragend aufbereitet und mit großer Wirkung auf die Zuschauer. Auch das Rennen war verbessert worden, der eigene Standard höher als zuletzt. Der sportliche Wert der Veranstaltung ist ebenfalls hoch zu bewerten. Die umfangreichen und immer rascheren Entwicklungen im internationalen und nationalen Skibergsteigen der letzten Jahre spiegeln sich aber nur bedingt wieder, die Attacke war und ist - unverändert - eine genau definierte Spezialveranstaltung und hat als solche auch ihre Fans auf hohem Niveau.