
Marlies Schild

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Zagreb 2006

Marlies Schild

Podium Zagreb 2006
Interview mit Marlies Schild
Ski2b-Redaktion am 02.02.2006 - 16:20 Uhr
Mit ihren 24 Jahren steht Marlies Schild für die junge Generation im alpinen Skizirkus. Aufgrund ihrer Leistungen im olympischen Skiwinter gehört die Österreicherin zu den Topfavoriten auf eine olympische Medaille.
Ski2b.com: Marlies, Olympia rückt immer näher. Hat Dich schon das olympische Fieber gepackt?
Marlies Schild: Nein. Ich freue mich schon auf Turin, aber davor gibt es noch einige Rennen zu fahren.
Ski2b.com: Du wirst im Slalom, im Riesenslalom und in der Kombination zu den Favoritinnen gezählt. Wo rechnest Du dir die besten Chancen aus?
Marlies Schild: Im Slalom fühle ich mich im Moment sehr gut, doch bis Februar ist es noch lange hin und da gilt es, die Form zu halten. Im Riesenslalom kann ich sehr schnell fahren, bin aber noch ein bisschen zu unkonstant. In der Kombi kommt es darauf an, wie ich die Abfahrt erwische.
Ski2b.com: Nicht alle Skifans wissen, dass Du in deiner Jugend den schnellen Disziplinen den Vorzug gegeben hast. Was hat dich an der Abfahrt so fasziniert?
Marlies Schild: Das ist sicher die Geschwindigkeit, die Fähigkeit, mit hohem Tempo Kurven zu fahren und auch der Nervenkitzel.
Ski2b.com: Eine Vielzahl von Knieoperationen musstest Du bereits in Deiner Jugend wegstecken, darunter je einmal am vorderen und am hinteren Kreuzband, einmal am Seitenband und an der Kapsel, sowie gleich dreimal am Meniskus - und das mit 24 Jahren. Wie steckt man das weg?
Marlies Schild: Ich habe immer an die Freude gedacht, die ich beim Skifahren habe. Da ist dann die Therapie und das Training wieder leichter gegangen.
Ski2b.com: Nach zuletzt vielen schweren Knieverletzungen im Weltcupzirkus gibt es Stimmen, die die starke Taillierung der Carving-Skier mitverantwortlich machen für die Häufung der Sportverletzungen. Ist das aus Deiner Sicht eine sinnvolle Diskussion?
Marlies Schild: Die Taillierungen der Skier sind ja aufgrund dessen bereits limitiert worden. Natürlich können diese nach wie vor zu Verletzungen beitragen. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig als Rennläufer, aber auch als Hobbyskifahrer, nur gut trainiert und in guter Verfassung Ski zu fahren, um das Risiko zu verringern. Ein gewisses Risiko bleibt natürlich trotzdem, auch wenn die Taillierung nochmal minimiert werden würde.
Ski2b.com: Nach den Verletzungen hast Du Dich über den Slalom an die Weltspitze herangekämpft. Im ersten Weltcuprennen 2001 kamst Du in Sestriere direkt in die Punkteränge. Im schwedischen Aare wurde es sogar Rang sechs. Hast Du mit diesen Ergebnissen im ersten Weltcupjahr gerechnet?
Marlies Schild: Nein, ich bin einfach drauflos gefahren, ohne viel darüber nachzudenken. Dass es gleich so gut geklappt hat, war natürlich um so schöner.
Ski2b.com: Danach folgten 2002 die Olympischen Spiele. Was hast Du aus Salt Lake City mitgenommen?
Marlies Schild: Es war sehr schwierig zu fahren und allzu große Erwartungen durfte ich ja sowieso nicht haben. Positiv für mich war zu sehen, wie es bei einem Großereignis so abläuft und stolz war ich allemal, für Österreich am Start sein zu dürfen.
Ski2b.com: Janica Kostelic dominierte die Spiele mit drei Goldmedaillen. Auch sie hat in jungen Jahren viele Verletzungen überstanden. Ist sie ein Vorbild für dich?
Marlies Schild: Ja natürlich. Sie hat einen sehr starken Willen, und an ihr bewundere ich immer wieder, wie sie es schafft, genau zum richtigen Zeitpunkt top in Form zu sein.
Ski2b.com: 2003 kam endgültig Dein Durchbruch mit der Silbermedaille im Slalom bei der Weltmeisterschaft in
St. Moritz (Schweiz). Gehen Öffentlichkeit oder andere Fahrerinnen anders mit Dir um, seit dem Erfolg bei einem Großereignis?
Marlies Schild: Natürlich bin ich seit damals bekannter geworden. Doch glaube ich, dass ich immer noch die Gleiche wie früher bin und werde auch immer noch gleich behandelt - worüber ich froh bin!
Ski2b.com: Inzwischen zählst Du im Slalom zur absoluten Weltspitze und hast auch im Riesenslalom schon gewinnen können. Dein dynamischer und kraftvoller Fahrstil steht für eine neue Generation von Rennläuferinnen. Kannst Du die wesentlichen Merkmale dieser Technik kurz beschreiben?
Marlies Schild: Die wesentlichen Merkmale sind für mich, keine Angst vor der Geschwindigkeit zu haben, weit in Vorlage zu fahren und dadurch den Radius kurz zu halten.
Ski2b.com: Du zählst zu den größten Hoffnungsträgern im Österreichischen Skiverband. Welchen sportlichen Ziele hast Du Dir für die Zukunft gesetzt?
Marlies Schild: Eine Olympiamedaille, WM-Gold, Gesamtweltcup ... wären schon schön. Für mich ist aber vor allem wichtig, Spaß zu haben, dann ergibt sich der Rest von selbst.
Ski2b.com: In Sestriere hast du 2004 auch Deinen ersten Weltcupsieg feiern können. Ist es ein gutes Omen für Dich, dass die technischen Wettbewerbe und die Kombination der Olympischen Winterspiele 2006 nun ebenfalls dort ausgetragen werden?
Marlies Schild: Ich fahre gerne in Sestriere und freue mich schon auf die Rennen!
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