
Marco Büchel

Podium Abfahrt Kitzbühel

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Interview mit Marco Büchel
Ski2b Redaktion am 07.02.2006 - 13:39 Uhr
Marco Büchel trägt die Medaillenhoffnungen einer der kleinsten Nationen bei Olympia. Ganz Liechtenstein wird hinter ihm stehen, wenn er in Abfahrt und Super-G um Medaillen kämpft. Dabei haben große Erfolge für kleine Länder durchaus Tradition bei Olympia - denn mit Hanni Wenzel stellte Liechtenstein bereits einmal eine Olympiasiegerin.
Ski2b.com: Marco, die Olympischen Spiele von Turin stehen vor der Tür. Mit welchen Erwartungen gehst Du in die Spiele?
Marco Büchel: Für mich werden es die letzten Olympischen Spiele sein, daher möchte ich natürlich so erfolgreich wie möglich abschneiden. Eine olympische Medaille ist dort einfach das Ziel, auf das ich hinarbeite. Ansonsten möchte ich einfach die Spiele genießen und mich überraschen lassen.
Ski2b.com: Für Dich ist es bereits die fünfte Teilnahme an Olympischen Spielen. Ist es dennoch etwas Besonderes, in Turin an den Start zu gehen?
Marco Büchel: Es ist natürlich etwas ganz Besonderes, dort an den Start gehen zu können. Olympische Spiele sind immer etwas ganz Spezielles. Sie finden halt nur alle vier Jahre statt. Das große Teilnehmerfeld, die vielen verschiedenen Nationen, die teilnehmen machen Olympia immer wieder zu einem tollen Erlebnis. Es ist einfach der Mythos Olympia, der einen reizt!
Ski2b.com: Im Vorfeld gab es viel Wirbel in Italien um die Finanzierung, die weiten Anfahrtswege etc. Macht man sich als erfahrener Athlet Gedanken über solche Organisationsprobleme oder nimmt man es so wie es kommt?
Marco Büchel: Ich denke, die Spiele werden reibungslos über die Bühne gehen. Wir kennen ja die Italiener, die werden es schon irgendwie hinbekommen. Spätestens seit der letzten WM in
Bormio wissen wir aber auch, was alles passieren kann bei einem Großereignis. Ich muss mich aber auf meine Wettkämpfe konzentrieren und darf mich davon nicht ablenken lassen. Schade finde ich nur, dass damals auch die Schweiz mit der Stadt Sion einen Kandidaten hatte für Olympia 2006 und damals gegen Turin unterlegen war. Ich denke, in der Schweiz hätte es nicht so viele negative Dinge im Vorfeld gegeben und die Schweizer hätten das besser hinbekommen als die Italiener jetzt. Aber so ist es nun einmal.
Ski2b.com: Die Speed-Disziplinen werden in Sestriere ausgetragen. Kannst Du uns die Strecke kurz vorstellen? Was sind die Schlüsselstellen?
Marco Büchel: Die Abfahrt in Sestriere hat eine schöne Länge, von daher passt es. Die Strecke hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann als Abfahrer. Sie hat Übergänge, Richtungsänderungen, steile sowie flache Abschnitte und technisch schwere Kurven. Es ist für jeden Typ Skifahrer etwas dabei. Ich sage, es ist eine komplette Abfahrt, die weder die Gleiter noch die Techniker bevorzugt.
Ski2b.com: Du hast mit der Abfahrt spätestens seit Deinem Sieg in
Gröden Frieden geschlossen. Früher warst Du eher in den technischen Disziplinen zuhause. Wie hast Du den Sprung zu den Speed-Disziplinen geschafft?
Marco Büchel: Das Wichtigste in der Abfahrt ist die Erfahrung und die habe ich über die Jahre gewonnen. Außerdem ist die Materialabstimmung enorm wichtig. Ich habe mich in den letzten Jahren gerade technisch in der Abfahrt verbessert. Ich komme ja eigentlich von den technischen Disziplinen und bin zunächst dort erfolgreich im Weltcup gewesen. Da mich aber immer schon die Abfahrt fasziniert hat, habe ich in den vergangenen Jahren konsequent in der Abfahrt gearbeitet. Das kommt mir mittlerweile zugute und ich bin natürlich sehr zufrieden mit den Ergebnissen.
Ski2b.com: Stichwort Material: Dies spielt im Skisport eine wichtige Rolle. Wird es für Olympia spezielle Materialtests geben?
Marco Büchel: Es wird vor den Olympischen Spielen noch Gleit-Tests geben, doch da muss ich nicht dabei sein. Das erledigen unsere Tester. Sicher ist, dass wir keine neuen Ski bauen, denn mit unseren Skiern in den Speed-Disziplinen sind wir sehr zufrieden, wie man ja auch anhand der Ergebnisse sehen kann. Wir sind schnell und ganz vorne dabei mit unserem Material, daher würde es keinen Sinn machen, neue Ski zu bauen im Moment. Eventuell wird noch etwas für den Riesenslalom gemacht, aber ganz sicher nicht für die Abfahrt.
Ski2b.com: Seit vielen Jahren trainierst Du mit den Schweizern. Wie ist es damals zu dieser Zusammenarbeit gekommen? In wie weit profitierst Du davon?
Marco Büchel: Die Zusammenarbeit Schweiz/Liechtenstein besteht eigentlich schon seit den 70er Jahren, als Hanni und Andi Wenzel sowie Willi Frommelt erfolgreich für Liechtenstein fuhren. 1984 wurde die Zusammenarbeit dann jedoch eingestellt und jeder Verband trainierte separat. Doch für mich war es dann ab einem gewissen Niveau nicht mehr machbar. Der Aufwand wurde einfach zu groß. Vor neun Jahren kam dann das Angebot von Swiss-Ski, die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen und das war natürlich eine gute Sache. Dadurch profitiere ich von den Coaches, den Physiotherapeuten, den Medizinern und vieles mehr. Es hebt auch die Konkurrenz innerhalb der Trainingsgruppen, denn ich bin vorne bei der Musik im Weltcup und bin daher auch ein guter Gradmesser für die Schweizer Fahrer. Ich sehe es als Geben und Nehmen. Ich profitiere davon, aber auch die Schweizer Fahrer haben etwas von der Zusammenarbeit. Ich zumindest kann mir das Training gar nicht mehr anders vorstellen.
Ski2b.com: Du sprachst gerade Hanni Wenzel an. Sie ist die bislang einzige Skifahrerin aus Liechtenstein, die Gold bei Olympia gewonnen hat. Wie wichtig wäre ein Erfolg von Dir für den Sport im Fürstentum und auch für Dich persönlich?
Marco Büchel: Für mich persönlich würde ein langer, langer Traum in Erfüllung gehen. Das kann ich sehr wohl sagen. Was die Menschen in Liechtenstein angeht, ist es schwer einzuschätzen. Ich kenne die Wertschätzung nicht genau, die sie der Veranstaltung beimessen. Da fehlen mir die Relationen zu anderen Sportarten. Ich weiß aber, dass der alpine Skisport die erfolgreichste olympische Sportart in Liechtenstein ist und es einen ungeheuren Imagegewinn für unser Land bedeuten würde, sollte nach so vielen Jahren wieder einmal jemand eine Goldmedaille holen.
Ski2b.com: Liechtenstein wird in Turin mit einer kleinen Mannschaft antreten. Ist dies vielleicht sogar ein Vorteil, da man so dem ganzen Rummel entfliehen kann?
Marco Büchel: Ich denke, es werden so vier bis fünf Athleten für Liechtenstein an den Start gehen. Die Größe der Mannschaft ist eigentlich egal, denn das wird meine Leistung nicht beeinflussen. Wichtig ist, dass mir das Land Liechtenstein optimale Voraussetzungen für Olympia gibt und ich mich gut vorbereiten kann - und dies ist der Fall. Alles andere liegt dann an mir, es auch im Rennen umzusetzen und gut zu fahren. Da kann mir keiner mehr helfen.
Ski2b.com: Welche Aufmerksamkeit schenkt man den Olympischen Spielen in Liechtenstein? Werden Deine Landsleute auch gebannt vor dem Fernseher sitzen, wenn Du um eine Medaille fährst?
Marco Büchel: Auch das ist schwierig abzuschätzen. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen Sportarten ist, aber wenn ich in der Abfahrt und im Super-G am Start stehe, bin ich mir sicher, dass viele Leute zugucken werden und mich anfeuern. Der alpine Skirennsport ist Nationalsport und meine Rennen werden live übertragen. Da gucken schon sehr viele Menschen in Liechtenstein zu.
Ski2b.com: Wie sieht es mit der Nachwuchsarbeit in Deinem Heimatland aus? Gibt es vielversprechende Talente, die einmal in Deine Fußstapfen treten könnten?
Marco Büchel: Ganz sicher gibt es die. Gerade bei den Damen fallen mir zwei junge Fahrerinnen ein, die sehr talentiert sind und einmal ganz groß rauskommen werden. Da ist zum einen Tina Weirather, die Tochter von Harti Weirather und Hanni Wenzel, die beide selbst Weltmeister waren. Sie ist mit ihren 16 Jahren schon sehr gut. Zum anderen ist Jessica Walter zu nennen, auch erst 21 Jahre alt. Dies sind beides große Talente und meine beiden Favoritinnen für die nächsten Jahre. Bei den Herren enthalte ich mich der Stimme.
Ski2b.com: Marco, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei Olympia.
Marco Büchel: Ich danke auch.
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