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Interview mit Kathrin Hölzl: Vollgas aus dem Schatten

Ski2b Redaktion am 20.02.2009 - 10:04 Uhr
Am liebsten mag Kathrin Hölzl harte und aggressive Pistenverhältnisse, sagt sie von sich selbst. Das sind Verhältnisse, bei denen sich die Spreu vom Weizen trennt. „Katy“ wusste, dass sie das Zeug dazu hat, auch bei sehr selektiven Bedingungen ganz oben zu stehen. In Val d’Isere hat sie ihr Versprechen, um eine WM-Medaille mitkämpfen zu wollen, eindrucksvoll eingelöst. In ihrer achten Weltcupsaison ist die 24-jahrige Berchtesgadenerin, die für den WSV Bischofswiesen startet, in der absoluten Weltspitze der Skirennläuferinnen angekommen. Und sie will mehr ...

Frage: Nun bist Du eine Woche Weltmeisterin. Hast Du das schon verarbeitet oder dauert es noch bis Du realisiert hast, was Du da geleistet hast?
Kathrin Hölzl: Ja, schon langsam habe ich es realisiert. Hat aber schon einige Tage gedauert bis ich begriffen habe, was ich da geschafft habe.

Frage: Dass Du schnell Skifahren kannst war hinlänglich bekannt, dennoch hast Du nicht zu den Top-Favoritinnen gezählt. Was war an diesem Tag anders als bei den Weltcups zuvor?
Kathrin: Zuerst einmal war ich an diesem Tag sehr locker und überhaupt nicht nervös. Ich habe gewusst, dass ich gut in Form bin und dass, wenn alles zusammen passt, eine Medaille möglich ist, aber an Gold hab ich nie gedacht.

Frage: Der Riesenslalom gilt als die "Mutter" aller Renndisziplinen. Was macht den "Riesinger" so anspruchsvoll?
Kathrin: Der Riesenslalom ist deshalb so schwer, weil das Timing genau passen muss und man zwei perfekte Durchgänge fahren muss, um ganz oben auf dem Treppchen zu landen. Außerdem ist die Dichte dort so groß, wie in keiner anderen Disziplin, weil es eben "die Mutter" des Rennlaufs ist.

Frage: Bist Du stolz, gerade in dieser anspruchsvollen Disziplin gewonnen zu haben? Warum liegt Dir der Riesenslalom so gut?
Kathrin: Natürlich bin ich sehr stolz. Ich denke, dass ich ein gutes Gefühl für den Riesenslalomschwung habe. Im Gegensatz zum Slalom hat man dort auch noch Zeit, sich auf jeden Schwung zu konzentrieren. Dort hat man einfach nicht so einen Stress.



Frage: Warum hatten es die deutschen Damen im Riesenslalom in den letzten Jahren so schwer? Was machst Du anders?
Kathrin: Das weiß ich auch nicht so genau. Ich versuche einfach hart an mir zu arbeiten und nie zu glauben, dass es jetzt passt. Man kann sich immer verbessern.

Frage: Wie viel Prozent des Erfolgs macht das Material aus? Was macht den Lochski von Fischer so schnell?
Kathrin: Das Material ist eigentlich das Wichtigste. Wenn das Material nicht perfekt passt oder auf den Läufer nicht perfekt abgestimmt ist, dann kann man auch nicht schnell Ski fahren. Der Lochski von Fischer liegt sehr ruhig in den Kurven und sorgt deshalb für mehr Stabilität und somit auch für mehr Sicherheit.

Frage: Im Gegensatz zu Maria Riesch standest Du nicht unter diesem starken Erfolgsdruck. Konntest Du Dich deshalb besser auf Dein Rennen vorbereiten?
Kathrin: Ja das stimmt. Ich hatte keinen Druck, weder von den Trainern noch von den Medien. Wenn ich keine Medaille gemacht hätte, wäre das normal gewesen und wenn doch, dann wäre das eben eine Überraschung gewesen. Deshalb habe ich mich nur auf mich konzentrieren können und was das ausgemacht hat, ist ja bekannt.

Frage: Maria Riesch ist der "Medienstar" des Damenteams. Wie sehr ist das Interesse an Deiner Person gewachsen? War das eine turbulente Woche?
Kathrin: Die letzte Woche war sehr stressig, viele Interviews, viel Fanpost und so weiter. Das Interesse an meiner Person ist enorm gewachsen, das ist natürlich auch sehr schön.

Frage: Liegt Dir der Medienrummel oder bist Du eher der Typ, der sich in Ruhe auf den Sport konzentrieren will?
Kathrin: Wenn man so einen Erfolg hat, dann macht man das natürlich sehr gern. Trotzdem bin ich eher der ruhige Typ und konzentriere mich gern auf meinen Sport, vor allem weil die Saison ja noch nicht vorbei ist.

Frage: Wem verdankst Du diesen Erfolg am meisten?
Kathrin: Dem ganzen Trainerteam und all denen, die dazu gehören. Und natürlich nicht zu vergessen, meinem Papa!

Frage: Wo siehst Du skifahrerisch Deine Stärken und wo Deine Schwächen?
Kathrin: Meine große Stärke ist meine gute Skitechnik. Meine Schwäche ist, dass ich bei den Rennen nicht immer 100 Prozent geben kann.

Frage: Hat man als Weltmeisterin denn noch Ziele, wenn ja welche Ziele verfolgst Du noch?
Kathrin: Ich habe natürlich noch einige Ziele. Zuerst einmal will ich auch mal ein "normales" Weltcup-Rennen gewinnen. Die „Riesenslalom-Kugel“ ist auch ein großes Ziel. Dann natürlich die Olympischen Spiele in Kanada, dort wäre eine Medaille ein weiteres großes Ziel und dann kommt ja auch noch die Heim-WM. Aber das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe.

Frage: Wie sehr denkst Du schon an Vancouver?
Kathrin: Ein bisschen schon. Aber jetzt will ich erst einmal die Saison noch gut beenden und mich dann für die nächste Saison gut vorbereiten. Man weiß ja nie was kommt, in einem Jahr kann viel passieren...

Frage: Glaubst Du der Titel wird Dich in Zukunft motivieren oder könnte er auch Ballast sein, weil die Erwartungen gewachsen sind?
Kathrin: Ein Ballast? Nein! Ich denke, dass mich das immer motivieren wird.

Frage: Wie lange willst Du noch Rennen fahren? Was kommt danach?
Kathrin: Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich fahr’ von Saison zu Saison. Ich hoffe, dass ich noch einige gute und schöne Jahre im Rennsport erleben darf. Was danach kommt, wird sich zeigen. Pläne hab ich noch keine.

Frage: Was wärst Du geworden, wenn nicht Skirennläuferin?
Kathrin: Keine Ahnung! Mein Traum war es immer, Skirennläuferin zu werden.
Weiterführende Informationen:
Fischer Ski
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