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Portrait - Michael von Grünigen (SUI)

Ski2b Redaktion am 16.12.2002 - 10:06 Uhr
Der Riesenslalom ist die Paradedisziplin des Schweizers.
Doch gerade in der olympischen Saison hatte der nunmehr 34-jährige Routinier mit dem Verletzungspech zu kämpfen. Eine lädierte Schulter und im Anschluss daran eine Handverletzung setzten dem Medaillen-Aspiranten für Salt Lake City über Wochen arg zu, verhinderten Großtaten auf den Pisten dieser Welt. Erst zu den Weltcup-Finals in Flachau fand der Schweizer wieder zu gewohnter Form zurück. Versöhnlich sein Saisonausklang. Er schloss den Skiwinter 2001/2002 mit dem Tagessieg in Flachau ab. Nun dürfte er wohl auch bis zur WM 2003 im kommenden Jahr in St. Moritz weitermachen.

Amtierender Weltmeister:
Neben Hermann Maier wurde Michael von Grünigen als der Topfavorit für das WM-Rennen 2001 gehandelt. Und er konnte dieser Favoritenstellung im Gegensatz zum „Herminator“ in beeindruckender Manier gerecht werden. Gold gewonnen in einem nahezu perfekten zweiten Durchgang. „Dieser Sieg ist fast wichtiger als der letzte WM-Titel.“ Im Überschwang der Gefühle brach der ansonsten eher als introvertiert geltende Schweizer sein Schweigen und kommentierte mit ungewohnt vielen Worten seinen zweiten WM-Titel im Riesenslalom nach 1997. Es gibt schließlich einiges zu erzählen, wenn man wie der 33-jährige von Grünigen nun schon so lange erfolgreich dabei ist im Weltcup-Zirkus.

Klasse statt Masse:
„Es war schon ein Vorteil für mich, dass ich nur Riesenslalom und Slalom fahre.“ Der Spezialist für die technischen Disziplinen hat sich gezielt auf diese beiden Wettkämpfe vorbereitet und vermieden, wie Maier auf allen Hochzeiten zu tanzen. Maier fehlte am Ende die Kraft und Konzentration. „Der Hermann hatte ja schon den Super-G und die Abfahrt in den Beinen,“ entschuldigt der Konkurrent von Grünigen das enttäuschende Abschneiden von Superstar Maier. Von Grünigen dagegen konnte sich voll auf seine Stärken – eine hervorragende Technik und die richtige Mischung aus Risiko und Taktik - konzentrieren. Dabei rechneten nur wenige im Jahr nach der verkorksten, sieglosen Millenniums-Saison mit „Mister Riesenslalom“, wie er respektvoll genannt wird. Maier revanchierte sich immerhin für die WM-Niederlage in St. Anton mit dem Riesenslalom-Weltcupsieg 2001. In einem Herzschlag-Finale entriss der Flachauer dem Schweizer die Kristallkugel beim Show-down im schwedischen Are.

Ungewohnte Positionen:
Der Titel „Mr. Riesenslalom“ kommt nicht von ungefähr. 19 Siege im Weltcup , der dreimalige Gewinn des Gesamtweltcups in seiner Lieblingsdisziplin, dazu sein ruhiges bescheidenes Auftreten haben ihm diese achtungsvolle Beschreibung seiner Person eingebracht. Begonnen hat der in Schönried lebende Familienmensch seine Weltcup-Karriere 1989. Der erste Weltcupsieg gelang ihm im Winter 1992/93 in Veysonnaz. Seit 1996 dominiert er im Stangenwald die Konkurrenz. Umso überraschender kam der Einbruch in der Saison 1999/2000, die einen ratlosen von Grünigen ohne Sieg und mit ungewohnten Positionen jenseits des Siegerpodests zurückließ.

Den Gegner mit den eigenen Waffen bezwungen:
Mit neuem Material (er wechselte von Rossignol zu Fischer) hat der gelernte Landmaschinenmechaniker nun wieder an vergangene Erfolge angeknüpft und fährt der Konkurrenz, insbesondere den Österreichern in gewohnter Weise davon. „Vor der WM-Saison hab ich mir gedacht, probierst du es mal mit österreichischem Material gegen die österreichische Mafia.“ Ist wohl Ironie des Schicksal, das der Schweizer gerade auf österreichischem Material zu alter Stärke zurückgefunden hat und der rot-weiß-roten „Mafia“ bei deren Heim-Spiel die Show stahl und nach vier Jahren der Schweiz das erste WM-Gold sicherte. Die Einordnung dieses Sieges scheint daher nicht übertrieben: "Dieser Titel ist eine Bestätigung meiner ganzen Karriere.“
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