Jeder weiß, was alles am Frühwinter mühsam ist. Gnadenlos schieben sich die Massen, allesamt fit wie ein Germknödel nebst Vanillesauce und meistens schon um kurz vor halb stockzu, in die Gondeln der Skigebiete. Dazu knüppelt Musik, die dort wehtut, wo’s Wattestäbchen nicht mehr hinkommt.
Objektive Gefahren gibt es auch
Das ist schlimm, das tut weh, das wissen wir. In diesem Artikel geht’s aber um die objektiven Gefahren des Frühwinters, denen der Freerider und die Freeriderin ausgesetzt sind. Auf die zwei wichtigsten wollen wir hier eingehen.
Langsam kommt der Schnee
Dass am Beginn des Winters wenig(er) Schnee liegt, liegt in der Natur der Sache. Das Wetter ist im Herbst in den Alpen generell relativ stabil, man spricht oft von einer sogenannten Inversionslage. Das ist dann, wenn’s unten im Tal neblig ist und oben auf den Bergen sonnig, weil eine Luftschicht gemütlich auf der anderen liegt. Fährt der Winter dann endlich die richtigen Geräte aus, wird die Wetterlage instabiler und der Schneefall kommt.
Harschdeckel
Der wenige Schnee, der vorher schon herumfläzt und meistens gerade einmal den Boden bedeckt, wird zusätzlich vom Wind beeinflusst. Natürlich wird er dabei auch verfrachtet, wichtig ist bei geringer Schneelage aber nun, dass sich oft ein Harschdeckel bildet. Ein Harschdeckel ist eine von Wind und Wetter komprimierte Schicht, die alles was darunter liegt, abschließt. Außerdem spielt Harsch in den Fantasien fanatischer Freerider selten eine tragende Rolle.
Lawinen und Absturz
Im Schnee darunter finden sich Luftpolster, und es ist kalt. Der Schnee unter der Harschschicht wandelt sich in seiner Struktur nun um, verliert an Bindung und nimmt die Konsistenz von frisch geerntetem Gries an. Das Ganze heißt dann Schwimmschnee. Und warum heißt das Schwimmschnee? Weil das Teil schwimmt wie Flipper. Für uns als Skifahrer bedeutet dass, das wir, wenn wir solche Schneedecken stören, Lawinen auslösen können. Die Gefahr einer solchen Lawine liegt seltener in einer Verschüttung (wenngleich das natürlich niemals ausgeschlossen werden kann!) als in einem Absturz. Ein Absturz kann schon ein schmerzhaftes und selten verletzungsfreies Mitrutschen über Felsen sein.
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Unterm Schnee
Da rutschen wir nun reibungsfrei zum zweiten Punkt dieser Ausführungen. Weil der erste Schneefall so zuckersüß alles zudeckt, was im Sommer grauslich herumliegt, vergessen wir gerne, dass sich da auch allerlei unnachgiebiges Geröll drunter versteckt. Leider passiert es viel zu oft, dass sich motivierte Freerider im Früh- aber auch im Spätwinter an nur leicht eingeschneiten Felsen schwer verletzen.
Erkundigungen einholen
Vor allem Geländeunkundige sollten sich genau überlegen, welche Linie sie fahren, wenn sie nicht hundertprozentig über die Schneelage Bescheid wissen. Dass Protektoren und Helm da zur Standardausrüstung gehören, ist klar und einheimische Skilehrer oder eine Skiführerin befragen tut auch nicht weh. Das Röntgenbild - als abschreckendes Beispiel - zeigt eine Sammlung an Platten und Schrauben in meinem Arm und ist das Resultat einer frühwinterlichen Rinnenbefahrung vor vier Jahren. Felsenhupfen sollte um diese Jahreszeit also eher tabu sein.