Specials Eventspecials Ski-WM & Olympia Olympia 2006 Turin Kolumne

Max Rauffer

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Keiner hat was gesehen

Max Rauffer am 27.02.2006 - 14:46 Uhr

Keiner hat was gesehen – so könnte das Motto des Riesenslaloms der Damen lauten. Schade – sage ich dazu, denn für mich persönlich ist gerade der Riesenslalom die Disziplin, die ich mir bei den Damen am liebsten anschaue. Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher fahrerischen Dynamik die Frauen die anspruchsvolle Riesenslalomtechnik im Wettkampf umsetzen. Da ist schon eine ordentliche Geschwindigkeit mit im Spiel und dies bei Torabständen, die mir als ehemaligem Abfahrtsläufer bei weitem zu eng gesetzt sind.

Mit 70 Sachen in die weiße Wand
Und dann ist Olympia, Du bereitest Dich genau auf dieses Rennen vor und dann spielt das Wetter nicht mit. Schnee und schlechte Sicht sind natürlich niemals gute Wegbegleiter im alpinen Rennsport. Aber ausgerechnet bei Olympia ... Die Frage taucht bei mir auf, ob man nur wegen der Terminnot solche Rennen durchdrücken muss? Immerhin war das Wetter heute für alle Fahrerinnen gleich – eben leider gleich schlecht. Wenn man dann mit 60-70 Km/h quasi in eine weiße Wand fährt und keine Bodenunebenheiten und Geländeübergänge erkennen kann, dann gibt man als Skirennläufer schnell auch einmal eine etwas unglückliche Figur ab, wie wir es im zweiten Durchgang bei der Schweizerin Nadia Styger sehen konnten, die eine Torstange so attackiert hat, dass sie die Torflagge auf den Bauch und halb vor dem Gesicht flattern hatte und in der Folge beinahe noch den Stock verloren hätte. Ich habe hohen Respekt vor allen Teilnehmerinnen, die heute bei diesen Bedingungen bis ins Ziel gekommen sind. Zumal der zweite Durchgang aus meiner Sicht wirklich sehr anspruchsvoll gesetzt worden ist. Der Kurs drehte sehr stark und die vier Geländeübergänge machten den Athletinnen bei dieser Kurssetzung zusätzlich zu schaffen.

Mut zum Risiko bleibt unbelohnt
Die deutschen Hoffnungen lagen einmal mehr auf Martina Ertl-Renz, die bei ihrem letzten olympischen Start noch einmal in bewährter Manier ihr Kämpferherz gezeigt hat. Leider wurde sie am Ende nicht ganz für den Mut zur Attacke belohnt. Eine Medaille zum Abschluss der Karriere hätte ich ihr wirklich gegönnt – zur ‚Halbzeit’ sah es ja mit dem fünften Zwischenrang recht vielversprechend aus. Einen Vorwurf würde ich Martina in keinem Fall machen, dass sie im Finaldurchgang nach dem Innenskifehler viel Zeit eingebüßt hat. Sie musste riskieren und bei Fahrten am Limit sind Fehler nun einmal möglich. Die anderen Mädels geben ja auch ‚Vollgas’. Und schließlich musste heute auch eine Anja Pärson im zweiten Durchgang akzeptieren, dass es nicht zur Medaille gereicht hat.

Österreich geht leer aus
Auch die Österreicherinnen, die als Nation bei den Damen derzeit in den Speeddisziplinen und im Slalom das Maß der Dinge sind, gingen letztlich bei der Vergabe von Gold, Silber und Bronze leer aus. Im Riesenslalom haben die ÖSV-Damen halt noch immer gewisse Probleme auf dem Weg zur absoluten Weltspitze. Das ist noch nicht ihre Paradedisziplin.

Mancuso hat den besten Tag
Bei einem Olympiarennen zählt aber auch immer die Tagesform und die hat heute ganz besonders bei Julia Mancuso gestimmt. Mit dieser Goldmedaille sind zwar nicht alle Wünsche, die das US-Team vor Olympia gehegt hat, in Erfüllung gegangen. Aber zwei Goldmedaillen hätten wir für Deutschland gewiss gerne bei den Alpinen auf dem Konto. Allerdings hätte man bei den USA eher auf Miller und Rahlves gesetzt, statt auf Ligety und Mancuso. Doch die ‚Amis’ darf man eben nie abschreiben.

Poutiainen entschädigt sich selbst
Und dann schreibt Olympia manchmal auch die ganz besonderen Geschichten. So würde ich nämlich den fantastischen zweiten Durchgang der Schwedin Anna Ottosson einstufen, die mit Laufbestzeit noch vom 13.Platz zur Bronzemedaille vorfuhr. Auf die Ottosson hat sicherlich niemand gesetzt und sie selber sicherlich auch nicht. Dagegen ist der zweite Platz von Tanja Poutiainen schon eher als normal zu bewerten, obwohl auch die Finnin in dieser Saison durch ein Tal der Tränen gehen musste. Silber wird sie für die fehlenden Podestplätze im Weltcup sicherlich entschädigen. Außerdem ist ihr im finnischen Olympia-Geschichtsbuch von nun an ein fester Platz sicher, denn Tanja ist nunmehr die erste finnische Alpine, die bei Olympia eine Medaille gewinnen konnte.

Edelmetall für Fischbachau
Ich bin mal gespannt, was uns zum Abschluss der skialpinen Rennen die Herren im Slalom zeigen werden. Vielleicht gibt es noch eine besondere Geschichte zu erzählen. Die von Alois Vogl oder die von Felix Neureuther.

Ein Wort möchte ich zum Schluss noch über ein olympisches Märchen verlieren. Nämlich über das olympische Märchen im Riesenslalom der Snowboardfahrerinnen. Denn hier hat Amelie Kober völlig überraschend die Silbermedaille geholt und darüber freue ich mich ungemein, denn Amelie kommt aus meinem Heimatort. Silber geht nach Fischbachau!


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