
Hilde Gerg
Augen zu und durch
Hilde Gerg am 10.02.2006 - 19:43 Uhr
Das ist in etwa mein Motto für die kommenden Tage. Einmal, weil auf mich als tz-Kolumnistin eine ganz neue Aufgabe wartet und zum anderen natürlich auch, weil es doch noch weh tut, hier bei Olympia nicht mehr als Rennläuferin dabei zu sein.
Mehr Stress als zu aktiven Zeiten
Bei all den Vorbereitungen in den letzten Tagen ist mir das noch mal so richtig bewusst geworden. Vor vier Jahren durfte ich noch die deutsche Fahne ins Olympiastadion von Salt Lake City tragen, in Turin wollte ich den krönenden Abschluss meiner Karriere feiern. Nun ist es anders gekommen - jetzt stürze ich mich eben für die tz in die Arbeit. Und der Stress ist fast noch schlimmer als zu meinen aktiven Zeiten. Allein die Anreise. Von zu Hause am Königssee ging es erstmal über Salzburg nach Hamburg, wo ich bei Johannes B. Kerner eingeladen war. Am nächsten Tag, natürlich mit einmal umsteigen in München, dann weiter nach Turin, dort dann gleich zur Eröffnungsfeier ins Fernsehstudio und erst danach ins Quartier in Sestriere.
Erinnerungen an 2002
Ein echter olympischer Marathon. Aber so eine Eröffnungsfeier ist diesen Aufwand wert, das ist immer etwas ganz Besonderes. Ich kann mich noch genau erinnern, wie es 2002 war. Die Aufregung als Fahnenträgerin war davor echt brutal. Aber im Stadion hat sich das dann geändert. Ich habe immer nur auf die Videoleinwand gestarrt und über das Bild gestaunt: Ich vorneweg und das ganze Team hinterher. Ein unvergleichliches Gefühl. Sicher ging es der Kati Wilhelm nicht anders. Sie hat es wirklich verdient, nach den Erfolgen, die sie schon gefeiert hat - und vielleicht hier in Turin noch feiern wird. Denn genügend Zeit, sich von der Feier und vor allem dem langen Weg hin und zurück, zu erholen, hat sie ja.
Slalom-Experten müssen trainieren
Schade ist, dass nicht alle Sportler dabei sein können, zum Beispiel auch unsere Slalomfahrer Alois Vogl und meine Cousine Annemarie. Aber bei beiden geht einfach das Training vor, sie können daher erst später anreisen. Die beiden haben die Zeremonie sicher im Fernsehen angeschaut und sind nur noch motivierter, wenn sie endlich angekommen sind. Und wer weiß, vielleicht erleben sie ihren unvergesslichen Moment dann auf der Piste.
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