
Kristian Ghedina

Wengen 05

Kristian Ghedina

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Wengen - aus Sicht von Kristian Ghedina
Kristian Ghedina am 10.01.2006 - 09:28 Uhr
Die Abfahrt von
Wengen habe ich zweimal gewonnen, 1995 und 1997, wobei ich immer noch den absoluten Rekord innehabe mit 2 Minuten, 24 Sekunden und 23 Hundertstelsekunden im Jahr 1997. Es handelt sich um eine Strecke, die besonders jenen entspricht, die gute Gleiter sind. Die ersten 50 Sekunden des Rennens sind in der Hocke zu fahren, entscheidend ist daher auch das Material. Dieser flüssige erste Teil enthält auch einige schwierigere Kurven, die man gut in Angriff nehmen muss. Dann kommt eine große Rechtskurve, gefolgt von einer engen Linkskurve, die in den Hundschopf-Sprung mündet, einen spektakulären Sprung, weniger wegen seiner Weite (25-30 Meter), sondern vielmehr weil man den Kontakt zum Schnee urplötzlich verliert. Ich vermute, es ist ein phantastischer Anblick für die Zuschauer, wenn wir Athleten von den Felsen springen, und zahlreiche Personen haben mir das auch bestätigt.
Gute Technik und "Schmalz" in den Beinen
Hier beginnt ein schwieriger Abschnitt, der zur Minschkante führt und zu einer S-Kurve, in die man mit ca. 120 km/h hinein- und mit 80-85 km/h hinausfährt. Konzentration ist jetzt gefragt, denn nun geht es unter der Zahnradbahn in den Tunnel und weiter in ein Gleitstück. Es ist entscheidend für das Rennen, diese Kurve mit entsprechender Geschwindigkeit zu fahren, und wir Rennläufer setzen dazu unterschiedliche Techniken ein. Mit den Skiern von heute kann man auch mit 120 km/h in die Kurve reinfahren, aber früher leitete man sie mit einer Gegenkurve ein oder mit einer sehr weiten derapata – wie auch immer, die Methode war eine Frage der freien und individuellen Interpretation. Das ist also die Schlüsselstelle und noch steht dem Läufer die Hälfte der Strecke bevor.
Wengen ist die längste Abfahrt der Welt und erfordert hervorragende Technik aber auch Schmalz in den Beinen.
Unglaubliche Höchstgeschwindigkeiten
Nach dem Tunnel kommen ein flacheres Teilstück und eine Serie von sehr schnellen Kurven, aus denen man die ganze Geschwindigkeit mitnehmen muss, hinein in den Schuss, wo auch die Zeitmessung erfolgt. Im Vorjahr ließ Stephan Thanei, ein junger Azzurro, mit 158 km/h aufhorchen, Das ist die höchste Geschwindigkeit, die in der Geschichte des Weltcup jemals in einem Rennen gemessen wurde. Unglaublich!
"Österreicher-Graben" und Zielsprung
Ab hier nimmt man zwei Kurven in Angriff, eine rechts, eine links und beide bei hoher Geschwindigkeit, es folgt ein Flachstück, das verlangsamt und dann der "Österreicher-Graben". Diese Passage erhielt ihren kuriosen Namen nach einem Rennen, bei dem fast alle Österreicher hier zu Sturz kamen. Grund waren wohl einige Wellen und Unebenheiten kombiniert mit mangelhafter Sicht. Nach 2 Minuten und 15-20 Sekunden erreicht man die finale S-Kurve, die immer sehr eisig und wellig ist, und somit schwierig zu fahren. Es handelt sich um eine Links-Rechts-Links-Kombination, wobei die letzte Linkskurve zum Zielsprung führt. Wer die Kurven gut genommen hat, wird auch mit dem Sprung keine Probleme haben. Gefährlich wird es, wenn der Sprung zu lang ist, weil man Gefahr läuft in die Absperrung zu geraten. Dies wurde dem jungen Österreicher Gernot Reinstadler zum tragischen Verhängnis. 1993 verfing er sich bei einem Sturz mit dem Ski im Netz und verstarb aufgrund der schweren Verletzungen.
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