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Tomas Kraus

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Interview mit Tomas Kraus

Ski2b Redaktion am 07.03.2006 - 09:31 Uhr

Tomas Kraus hat das Skicross in den letzten Jahren wie kein anderer dominiert. Weltmeister, Gesamt-Weltcupsieger und Gesamtsieg bei der internationalen Crossmax Serie: Die Liste seiner Erfolge ist lang und der Tscheche ist noch immer hungrig auf weitere Siege, denn noch hat er nicht alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Im Interview spricht Kraus über seinen unbändigen Sieges-Willen und seine weiteren Ziele für die Zukunft.

Ski2b.com: Tomas, Du warst bis 2003 auch Mitglied des tschechischen Alpin-Teams. Wie bist Du mit Skicross in Berührung gekommen?
Tomas Kraus: Ich hatte mir seit 1999 bereits Skicross auf Eurosport angeschaut und von Anfang an wollte ich das probieren. In Tschechien war in den Jahren 2000 und 2001 jeweils nur ein Rennen pro Jahr, aber da hatte ich keine Zeit um mitzufahren, da für mich zu jenem Zeitpunkt alpine Rennen anstanden. Ab dem Winter 2001/2002 gab es dann auch in Tschechien eine Skicross-Serie. Gleich nach den ersten Rennen wusste ich, wohin meine Richtung in der Zukunft gehen würde. Ich war sofort vom Skicross begeistert.

Ski2b: Zunächst bist Du neben den alpinen Wettbewerben auch Skicross-Rennen gefahren. Was hat schließlich den Ausschlag gegeben, sich ganz auf den Skicross zu konzentrieren?
Tomas: Am Anfang meiner Skicross-Karriere wollte ich noch meine Erfahrungen aus den alpinen Rennen nutzen. Doch nach den Weltmeisterschaften in St. Moritz 2003 wusste ich, dass man im alpinen Bereich als tschechischer Athlet kaum Chancen gegen die Athleten aus den Alpenländern wie Österreich oder der Schweiz hat. Das Skicross-System, das auf der Philosophie von Firmenteams aufbaut, gibt mir bessere Chancen zum Sieg. Nach der Saison 2002/2003 bekam ich dann das Angebot von Fischer, um im Fischer Skicross Team mitzufahren. Dies war dann vielleicht der entscheidende Impuls.

Ski2b: Im Skicross hast Du schnell die ersten Erfolge gefeiert. Was benötigt man, um in diesem Sport zur Weltspitze zu zählen?
Tomas: Im alpinen Bereich ist es relativ 'leicht', einmal einen Sieg zu feiern. Wenn man ein guter Skifahrer ist, man sich viel mit der Strecke und dem Rennen beschäftigt und dazu noch ein bisschen Glück hat, geht es recht schnell! Aber um im Skicross Weltspitze zu sein, braucht man viel mehr. Da ist es viel schwerer, vorne zu sein. Das Wichtigste dort ist die Erfahrung. Dies war auch bei mir der Fall. Zwischen meinem ersten und dem zweiten Sieg lagen über zwei Jahre, in denen ich nur einmal im Finale war.

Ski2b: Du sprachst Deinen ersten Weltcup-Sieg im November 2002, in Tignes, an. Wie wichtig war dieser Sieg für Dich?
Tomas: Dieser Sieg war sicher ein Schlüsselerlebnis und sehr wichtig für mich. Ohne diesen Erfolg hätte ich es vergessen können, in das Fischer Skicross Team aufgenommen zu werden. Es war also einfach ein Glückstag für mich!

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Ski2b: Es folgten eine ganze Serie von großen Erfolgen. 2005 hast du drei Weltcup-Rennen gewonnen und damit auch die Gesamtwertung klar für Dich entschieden. Außerdem hast Du den Titel des Skicross-Weltmeisters gewinnen können. Welcher Erfolg zählt für Dich am meisten?
Tomas: Für mich und in sportlicher Hinsicht war sicher der Sieg im Gesamt-Weltcup der Wichtigste. Denn dafür musste ich in der ganzen Saison sehr gute Leistungen bringen. Aber vom Prestige her ist sicher der Sieg bei der Skicross-Weltmeisterschaft höher einzuschätzen. Schließlich will ich nicht der Mann ohne einen Erfolg bei einer großen Veranstaltung sein.

Ski2b: Auch in dieser Saison läuft es sehr gut für Dich. Du hast die internationalen Crossmax-Rennen genauso dominiert wie die ersten Weltcup-Events. Was ist das Geheimnis Deines Erfolges? Was treibt Dich immer wieder an?
Tomas: Ich bin von dieser Saison bislang echt begeistert. Nach dem letzten Winter und der schweren Verletzung, immerhin hatte ich einen Kreuzbandriss im Knie bei den X-Games erlitten, musste ich mich operieren lassen. Den ganzen Sommer habe ich in der Reha geschuftet und das hat sich gelohnt. Das Geheimnis meines Erfolges bleibt mein Geheimnis. Aber im Groben sind es folgende Dinge: eine gute Streckenbesichtigung, eine schnelle Qualifikation, ein guter Start im Finale und schließlich jede Möglichkeit nutzen, um zu überholen. Meine Energie kommt sicher von meinem Naturell. Wie alle Skicrosser habe ich einen starken Sieges-Willen.

Ski2b: Nach all den Erfolgen: Welches sind Deine sportlichen Ziele für die Zukunft?
Tomas: Ich habe noch längst nicht alles gewonnen, was man im Skicross gewinnen kann. Bei den X-Games bin ich noch ohne Sieg und auch das Weltcup-Rennen bei mir zuhause in Tschechien muss ich noch gewinnen. Ach ja, bei Olympischen Spielen will ich auch ganz vorne dabei sein.

Ski2b: Du glaubst also an eine Zukunft vom Skicross bei Olympischen Winterspielen?
Tomas: Davon bin ich überzeugt.

Ski2b: Wie siehst Du generell die Entwicklung des Skicross im Vergleich zu den klassischen alpinen Disziplinen?
Tomas: Meiner Meinung nach können die klassischen alpinen Disziplinen nicht mehr viel anbieten. 38 Weltcup-Rennen in einem Winter sind einfach zu viel. Da ist sicher Platz für Skicross-Rennen, denn da gibt es spektakuläre Starts, Kämpfe Mann gegen Mann, lange Sprünge und interessante Typen.

Ski2b: Zusammen mit Stanley Hayer bist Du das Aushängeschild für den Skicross-Sport in Tschechien. Wie populär bist Du in Deiner Heimat?
Tomas: Am Anfang war das viel Arbeit, denn wir mussten eine neue Sportart bekannt machen. Doch jetzt ist alles anders. Wir erhalten viel Aufmerksamkeit in TV, Rundfunk, Magazinen, Zeitungen etc. Der schönste Moment für mich waren die Weltcup-Rennen in Tschechien. Das war sicher insgesamt der beste Besuch, den es jemals bei einem Skicross-Rennen gab. Wir hatten mehr Zuschauer als die alpinen Weltcup-Rennen der Damen in Spindleruv Mlyn in diesem Winter. Und alle waren wegen Skicross und uns da. Das war ein wirklich geiles Gefühl!

Ski2b: Tomas, vielen Dank für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg im Skicross.
Tomas: Ich danke auch.


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